Ein ganz normaler Dienstag
Um 07:30 Uhr kommt eine E-Mail der Liegenschaftsverwaltung: «Mieterin Wohnung 2. OG links meldet defekten Wasserhahn in der Küche. Bitte direkt Termin vereinbaren.» Mehr steht nicht drin. Kein Foto, kein Hersteller, keine Telefonnummer – die muss man zuerst bei der Verwaltung erfragen.
Für einen Sanitärbetrieb ist das Alltag. Der Auftrag ist klein, die Arbeit selbst in einer Dreiviertelstunde erledigt. Doch bis die neue Armatur montiert ist und die Rechnung bei der Verwaltung liegt, hat der Betrieb deutlich mehr Zeit investiert, als er verrechnen kann.
Wie viel genau, zeigt die folgende Beispielrechnung.
Die Beispielrechnung: Wohin die Zeit fliesst
Für die Rechnung gehen wir von einem Regiesatz von CHF 110.–/h aus, verrechnet werden die Arbeit vor Ort und eine Wegpauschale von CHF 45.–. Das Material wird separat verrechnet und bleibt hier aussen vor. Die Zeiten sind typische Werte aus Gesprächen mit Betrieben – Ihre eigenen Zahlen können davon abweichen.
| Arbeitsschritt | Typischer Ablauf | Zeitaufwand | Verrechnet |
|---|---|---|---|
| 1. Auftrag klären | Telefonnummer bei Verwaltung erfragen, Mieterin nach Modell und Defekt fragen | 15 Min. | nein |
| 2. Termin finden | Zwei, drei Anrufe, Mieterin erst abends erreichbar | 15 Min. | nein |
| 3. Material & Rüsten | Passende Armatur bestellen bzw. abholen, Fahrzeug laden | 15 Min. | nein |
| 4. Hin- und Rückfahrt | Einzelfahrt in die Liegenschaft | 40 Min. | Pauschale |
| 5. Arbeit vor Ort | Alte Armatur demontieren, neue montieren, Dichtheit prüfen | 45 Min. | CHF 82.50 |
| 6. Rapport & Rechnung | Rapport abtippen, Rechnung erstellen, Referenz der Verwaltung suchen | 10 Min. | nein |
| Gesamtaufwand | 140 Min. | CHF 127.50 |
Verrechnet werden also CHF 127.50 für 140 Minuten Zeit. Das ergibt einen effektiven Stundenertrag von rund CHF 55.– – die Hälfte des Regiesatzes.
Das eigentliche Problem: unvollständige Informationen
Auffällig ist, dass die teuren Schritte nicht die handwerkliche Arbeit sind. Es sind die Schritte davor und danach:
- Fehlende Angaben in der Meldung führen zu Rückfragen und im schlimmsten Fall zu einer zweiten Fahrt.
- Terminabsprachen per Telefon kosten Zeit, weil Mieterinnen und Mieter tagsüber oft nicht erreichbar sind.
- Einzelfahrten für einen einzigen Kleinauftrag sind teuer, wenn die Pauschale die Fahrzeit nicht deckt.
- Rapport und Rechnung werden doppelt erfasst, wenn die Notizen auf Papier entstehen und im Büro abgetippt werden.
Keiner dieser Punkte liegt allein beim Handwerksbetrieb. Aber jeder davon lässt sich gemeinsam mit der Verwaltung verbessern.
Vier Hebel für mehr Ertrag pro Kleinauftrag
1. Vollständige Meldungen verlangen
Vereinbaren Sie mit Ihren Verwaltungen, welche Angaben ein Auftrag mindestens enthalten muss: Kontakt der Mieterschaft, genaue Lage in der Wohnung und ein Foto des Defekts bzw. des Typenschilds. Mit einem Foto lässt sich das richtige Ersatzteil meist schon vor der ersten Fahrt bestimmen.
2. Termine digital vereinbaren
Statt mehrfach anzurufen, schicken Sie der Mieterschaft per SMS oder Link zwei, drei Terminvorschläge. Die Bestätigung kommt, wenn es der Mieterschaft passt – nicht dann, wenn Sie gerade telefonieren können.
3. Touren bündeln
Kleinaufträge, die nicht dringend sind, lassen sich oft nach Quartier sammeln und an einem Tag abarbeiten. Das senkt die Fahrzeit pro Auftrag deutlich.
4. Rapport vor Ort abschliessen
Ein digitaler Rapport auf dem Handy, mit Fotos und der Referenz der Verwaltung, wird direkt zur Grundlage der Rechnung. Abtippen und Suchen im Büro entfallen.
Der Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Heute | Mit den vier Hebeln |
|---|---|---|
| Klärung, Termin, Material | 45 Min. | 20 Min. |
| Fahrt | 40 Min. | 25 Min. |
| Arbeit vor Ort | 45 Min. | 45 Min. |
| Rapport & Rechnung | 10 Min. | 5 Min. |
| Gesamtaufwand | 140 Min. | 95 Min. |
| Effektiver Stundenertrag | ca. CHF 55.– | ca. CHF 81.– |
Bei gleicher Rechnung an die Verwaltung steigt der effektive Stundenertrag damit um rund die Hälfte. Gelingt es zusätzlich, eine Wegpauschale zu vereinbaren, die die tatsächliche Fahrzeit besser abbildet, oder die Arbeit auf 85 Minuten Gesamtaufwand zu verdichten, nähert sich der Ertrag den CHF 90.– pro Stunde.
Fazit: Die Marge entsteht vor und nach der Baustelle
Kleinaufträge von Verwaltungen sind für viele Betriebe ein verlässliches Grundgeschäft. Ob sie sich lohnen, entscheidet sich aber selten an der Armatur selbst, sondern an der Qualität der Meldung, der Terminabsprache und der Abrechnung.
Rechnen Sie das Beispiel mit Ihren eigenen Zahlen nach: Erfassen Sie während zwei Wochen bei jedem Kleinauftrag die Zeit für alle Schritte, nicht nur für die Arbeit vor Ort. Das Ergebnis ist oft die beste Grundlage für das nächste Gespräch mit Ihren Verwaltungen.
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